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Neueste Entwicklung (Stand: 18. April 2002)
Der US-Senat hat am Donnerstag gegen den Plan von Präsident George W. Bush zur Ölförderung in einem Naturschutzgebiet in Alaska gestimmt.
Bushs republikanische Partei bekam die nötigen 60 Stimmen für eine Beendigung der Debatte nicht zusammen. Damit lehnte die Kammer den Teil von Bushs Energiegesetz ab, das die Erschließung von Vorkommen in dem Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) ermöglicht hätte.
Bush hatte den Plan zum Kernstück seiner neuen Energiepolitik gemacht. Diese sieht eine zunehmende Verwendung von einheimischen fossilen Brennstoffen und der Kernenergie vor. Zudem hatten die Bush-Regierung und viele republikanische Senatoren die Erschließung der Gebiete als eine Frage der Nationalen Sicherheit dargestellt. Die Vorräte in Alaska sollten die USA unabhängiger von Ölimporten aus Staaten wie Irak machen.
Neueste Entwicklung (Stand: 11. Oktober 2001)
Wenn es nach dem Willen von US-Präsident George W. Bush geht, muss die für die Gwich’in-Indianer lebenswichtige Karibu-Herde
bald Ölbohrtrupps im Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) weichen. Das US-Repräsentantenhaus stimmte am
1. August einer neuen Energiepolitik zu, die u.a. Ölbohrungen in dem im äußersten Norden Alaskas gelegenen Naturschutzgebiet vorsieht.
Die für die Indianer und die Umweltschutzbewegung dramatische Wende in der Energiepolitik wäre ohne Unterstützung der Öl-Lobby,
die die Wahl des Präsidenten massiv gefördert hatte, nicht denkbar gewesen. Denn diese letzte große Wildnis im Norden Amerikas
gilt aufgrund ihrer Artenvielfalt als besonders schützenswert: Grizzly-Bären, Moschusochsen, Polarfüchse, Wölfe, Eis- und Schwarzbären sowie
160 Vogelarten leben in dem Naturschutzgebiet von der Größe Bayerns. Seit mehr als 20.000 Jahren ist dieser Teil Alaskas Heimat der Gwich’in-Indianer.
Bis heute leben die 7.000 Indianer weitestgehend von der Jagd, so wie ihre Vorfahren vor Tausenden von Jahren.
Keine Zukunft ohne Karibus
Dieses Gebiet mit 73.000 Quadratkilometern ganz oben in Alaskas Norden umfasst die flache Kuestenebene am Nordpolarmeer,
die hoechsten Berge der Brooks-Kette und die suedlichen Huegel am Fuss des Gebierges. Die Vielfalt der Fauna ist
beeindruckend. Vor der Kueste schwimmen Wale und Robben. Eisbaerinen gebaeren im Winter ihren Nachwuchs in Schneehoehlen.
Die Porcupine-Herde, die etwa 160.000 Karibus zaehlt, kalbt Anfang Juni in der Kuestenebene, und Millionen Voegel (135)
Arten verbringen den Sommer dort. Anfang September treffen mehr als 300.000 Schneegaense zu einem Zwischenstopp auf den
weg nach Sueden ein. Moschusochsen wandern ueber die Feuchttundra der Ebene. Alpine Tundra ueberzieht die Haenge der
Brooks-Kette, auf denen etwa 10.000 Dallschafe innerhalb des Schutzgebietes herumklettern. An den Suedhaengen geht die
Tundra in borealen Wald ueber. Hier leben alle fuer diese Vegetationszone typischen Tiere. [Aus Reisefuehrer Natur]
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Gesellschaft für bedrohte Völker |
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Neueste Entwicklung (Stand: 18. April 2002)
Der US-Senat hat am Donnerstag einen Plan von Präsident George W. Bush zur Ölförderung in einem Naturschutzgebiet in Alaska angelehnt. Der Plan galt als bedeutender Teil von Bushs Energieprogramm.
Bushs Republikaner konnten nach zweitägiger Debatte nicht die erforderliche
Mehrheit zusammenbringen, um die Erschließung von Vorkommen im Arctic National Wildlife Refuge (ANWR) zu einem Teil des neuen Energiegesetzes zu machen. "Wir werden nicht einfach zulassen, dass die Republikaner die Umwelt zerstören", sagte der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Tom Daschle. Präsidialamtssprecher Ari Fleischer sagte dagegen, der Senat habe die Chance verpasst, die USA zu einer größeren Unabhängigkeit im Energiesektor zu führen.
Bush hatte den Plan zu einem Kernstück seiner neuen Energiepolitik gemacht. Diese sieht eine zunehmende Verwendung von einheimischen fossilen Brennstoffen und der Kernenergie vor. Zudem hatten die Bush-Regierung und viele republikanische Senatoren die Erschließung der Gebiete als eine Frage der Nationalen Sicherheit dargestellt: Die Vorräte in Alaska sollten die USA unabhängiger von Ölimporten aus Staaten wie Irak machen. Demokratische Senatoren und andere Kritiker sagten dagegen, die Mengen seien dafür zu gering und die Auswirkungen auf die Umwelt zu schwerwiegend.
Der Senat berät zurzeit über Bushs Gesetzespaket zur Energiepolitik. Neben der Ölförderung in Alaska müssen sich die Abgeordneten mit etwa 40 weitere Einzelpunkten befassen. Angestrebt wird ein Abschluss bis Dienstag. Die andere Kammer des Kongresses, das Repräsentantenhaus, hatte im vergangenen Jahr einen eigenen Entwurf des Pakets verabschiedet, der eine Bohrung im ANWR zulassen würde. Sollten sich die Versionen am Ende unterschieden, wären weitere Verhandlungen zwischen den Kammern notwendig, bis eine endgültige gemeinsame Version Bush vorgelegt werden könnte. Fleischer sagte, der Präsident werde darum kämpfen, die Alaska-Förderung wieder in eine solche endgültige Version einzubringen.
Die Geologische Behörde der USA (USGS) schätzt, dass es bei einem Marktpreis von etwa 24 Dollar pro Barrel (159 Liter) mit 50 prozentiger Wahrscheinlichkeit 5,3 Milliarden Barrel aus dem ANWR gefördert werden könnten. Bei genügend hohen Preisen könnte die Menge auf bis 16 Milliarden Barrel steigen. Die USA verbrauchen etwa 19 Millionen Barrel pro Tag oder sieben Milliarden Barrel im Jahr. Befürwortern zufolge würden durch den Bohrplan im ganzen Land etwa 735.000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Kritiker halten dagegen 65.000 Stellen bis 2020 für realistischer.
Das in den 60er Jahren angelegte ANWR ist mit mehr als 77.000 Quadratkilometern größer als Bayern. Es ist die Heimat zahlreicher Tierarten, darunter eine Art Karibu, die in diesem Gebiet ihre Jungen zur Welt bringt, und im Sommer für Zugvögel wie Enten, Gänse, Watvögel, Schafstelzen, Steinschmätzer und Schwäne. Gegner des Antrags befürchten schwerwiegende Schäden an der Umwelt. Das US-Innenministerium hatte 1987 in einem Bericht festgestellt, dass Bohrungen im ANWR ernste Auswirkungen auf den Lebensraum der Karibu und Moschusochsen haben würden. Befürworter sagen dagegen, die Förderanlagen würden nur etwa acht Quadratkilometer in Anspruch nehmen.
Öl-Lobby wirbt mit falschen Fakten (Stand: 11. Oktober 2001)
Schenkt man der Ölindustrie Glauben, so ist jede Ölförderung im ANWR unproblematisch und sauber.
Die Erfahrungen im benachbarten Ölfördergebiet Prudhoe Bay lassen jedoch Schlimmes befürchten: So ereignen sich dort
jedes Jahr durchschnittlich 400 Unfälle, bei denen Öl entweicht. Aufgrund des arktischen Klimas sind die Umweltschäden
nahezu irreparabel. Mehr als 90 Prozent aller Küstengebiete westlich des ANWR wurden bereits zur Ölexploration freigegeben,
1.400 Bohrlöcher wurden schon eingerichtet. Ganz gezielt täuschten die Gesetzgeber die Öffentlichkeit, als sie vor
der Entscheidung des US-Repräsentantenhauses erklärten, nur 800 Hektar Land würden im ANWR für Öleinrichtungen benötigt.
So wurde jetzt bekannt, dass Straßen und andere Infrastruktureinrichtungen bei dieser Kalkulation ausgespart wurden.
Die Unterstützung der Gewerkschaften sicherte man sich mit der vollmundigen Ankündigung, 700.000 Arbeitsplätze in der Region
zu schaffen, ein unhaltbares Versprechen, dass auf veralteten Prognosen aus dem Jahr 1990 beruht. Auch für die Energieversorgung
der USA hätte die Erschließung des ANWR kaum Bedeutung. Statt der versprochenen langfristigen Sicherung der heimischen Energieversorgung
reichen die Ölvorkommen allenfalls aus, den gesamten Öl-Bedarf der USA für sechs Monate zu decken. Nicht mehr als zwei Prozent der in
dem Land benötigten Energie könnten im ANWR gefördert werden. Indianer und Umweltschützer sagen daher kategorisch „Nein" zur Ölförderung
im Naturschutzgebiet. Die Gwich’in vergleichen ihre Lage mit den Sioux-Indianern, die nach der Vernichtung ihrer Büffelherden ihre
traditionelle Lebensweise aufgeben mussten und fragen: Wann wird dieses Land endlich lernen, dass es so etwas einem Volk nicht antun darf ?
Noch ist die Bush-Regierung nicht zum Umdenken bereit. Im Gegenteil: auch das überleben anderer indianischer Völker ist durch Großprojekte
im Rahmen der neuen Energiepolitik bedroht. So wehren sich Havasupai im Grand Canyon gegen die Aufnahme der Uranförderung, Blackfeet-Indianer
in Montana gegen die Ölförderung und die Navajo gegen die Ausweitung des Kohleabbaus und die Zwangsumsiedlung aus ihrem ehemals mit den Hopi
gemeinsam genutzten Landes an der Black Mesa.
Neueste Entwicklungen:
Der Vorsitzende der Mehrheitsfraktion der Demokraten im US-Senat, Tom Daschle, gibt den Gwich'in neue Hoffnung. Am Mittwoch, dem 10. Oktober 2001
folgte Jeff Bingaman, Vorsitzender des Energiekomitees im Senat und Demokrat aus New Mexiko, einem Antrag Daschles und untersagte jede weitere Debatte
über das Energiegesetz. Infolge dieses in der Washington Times (11.10.01) als ungewöhnlich bezeichneten Vorgangs ist es nun alleinige Kompetenz von Daschle,
den Inhalt des Gesetzes und das weitere Beratungsverfahren in der Energiekommission festzulegen. Von Seiten der Republikaner erntete Daschle wütende Proteste,
denn noch ist ungewiss, ob das Gesetz vor Abschluss der laufenden Sitzungsperiode überhaupt noch einmal vorgelegt werden wird. Manche Republikaner fürchten sogar,
dass Daschle das Gesetz gar nicht mehr zur Vorlage bringen könnte und werfen ihm unverantwortliche Parteilichkeit und politische Spielchen in einer Angelegenheit
des nationalen Interesses und in Zeiten des Krieges vor.
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