Leider begleiteten mich nun erstmals auf der Fahrt dunkle Regenwolken, weshalb ich von der Alaska Range, an der ich seit Tok entlang gefahren war, nur die niedrigen Ausläufer sah.
Um so schöner war es, als sich plötzlich auf der letzten Etappe bis Fairbanks (80 km mit einem Schnitt von über 24 km/h; der Rückenwind hat mich fast nach Fairbanks fliegen lassen!) die Wolken lichteten und den Blick auf die nun schon etwas in der Ferne liegende Alaska Range freigaben! Diese Momente, diese Ausblicke, die Begegnung mit freundlichen Menschen, das Erleben der grandiosen Landschaft und ihrer Tierwelt sind es, die der Lohn für all die Strapazen sind und sie auch vergessen lassen
In Fairbanks gönnte ich mir wieder einen Tag Pause. Heut schickte ich endlich die ersten Postkarten in die Heimat. Ansonsten stand neben Ausspannen insbesondere das Auffüllen der Essenvorräte auf der Tagesordnung. Denn ich wollte einige Tage im Denali Park verbringen und dann erst wieder in Palmer einkaufen, da man in den Tankstellen und Lodges zwar fast alles Lebensnotwendige erwerben kann; aber für diese Preise war mein Reisebudget nicht ausgelegt!
Bis zum Denali Park fuhr ich mit einem kleinen Busunternehmen. Ein wenig Angst hatte ich dabei um mein Fahrrad, das wie ein Cow-catcher der Alaska Railroad quer an der Front des Kleinbus befestigt war.
Im Denali angelangt, suchte ich mir zuerst einmal einen halbwegs trockenen Platz. Denn neben einem stürmischen Wind empfing mich dort auch ein unangenehmer Nieselregen.
Ich beschloss, hier am Parkeingang für einige Tage mein Lager aufzuschlagen und Tagestrips in den Park hinein zu unternehmen. Es war auch mal ganz angenehm, das Zelt nicht jeden Tag an einem anderen Ort neu aufzubauen.
Als ich am nächsten Morgen mein Zelt verließ, hatte ich eigentlich gar keine rechte Lust dazu; denn während der ganzen Nacht hatte es geregnet und so schaute ich mehr oder weniger lustlos raus. Was staunte ich, als ich auf den umliegenden Bergen eine strahlend weiße Neuschneedecke sah! Obwohl es immer noch von den bäumen tropfte und trotz der tief hängenden Wolken, machte ich mich auf den Weg ins Parkinnere. Der letzte Abschnitt der Parkstraße bis zum Wonder Lake war wegen des Neuschnees sogar gesperrt!
Es war zwar alles andere als ein strahlender Tag (beim Eielson Visitor Center zeigte mein Thermometer gerade noch 1°C an und schwere, nasse Flocken segelten vom Himmel und legten sich auf die rund 20 cm tiefe Schneeschicht), aber es war zauberhaft, den Park unter diesen Bedingungen zu erleben. Ich fühlte mich wie in einer geheimnisvollen Winterlandschaft!
Wie fast immer im Denali hatte ich Glück mit der Tierbeobachtung. In den beiden Tagen, die ich im Park verbrachte sah ich mehrere Grizzlies, auch mit Jungen, Elche, Karibus, diverse Greifvögel, Polarfüchse, Murmeltiere und Dallschafe. Der Blick auf den Denali blieb mir verwehrt, so dass ich am dritten verregneten Morgen mein Rad wieder packte und in Richtung Süden weiterfuhr.
Bei Talkeetna erfüllte ich mir einen Traum und leistete mir einen Rundflug über dieses geliebte Land. Es war unheimlich beeindruckend, über die Bergpässe die unendlichen, autobahngleichen Gletscher und an schroffen Felsabbrüchen entlang zu fliegen. Allerdings wurde die Maschine vom Wind teilweise recht unsanft geschüttelt.
W E I T E R
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