Wie grandios muss das erst sein, wenn die Sonne scheint und der Denali die unglaubliche Szenerie noch überstrahlt!
Am nächsten Morgen war es sehr frisch, so dass ich die ersten Kilometer meine Handschuhe anzog. Als dann am Nachmittag die Sonne höher stand, konnte ich hingegen wieder mit freiem Oberkörper radeln, was mir zuletzt im Yukon möglich war.
Die kühlen Nächte waren die ersten Zeichen des herannahenden Herbstes. Auch begannen sich die ersten Blätter zu verfärben, die Beeren waren schon reif, so dass ich meinem wenig abwechslungsreichen Speisezettel ab und zu Himbeeren und Heidelbeeren beifügte.
Die nächsten Tage waren bestimmt die härtesten während der ganzen Tour. Ich wollte über den Glenn Highway der etwas 50 km nördlich von Anchorage nach Osten in Richtung kanadische Grenze abzweigt, und den Richardson Highway nach Valdez.
Der Glenn Highway zeichnet sich durch unheimlich viele steile Anstiege und Abfahrten aus, jedes Flusstal scheinen die Straßenkonstrukteure besonders tief ausgebaut zu haben. Auf den Anstiegen war ich nass geschwitzt, auf den Abfahrten habe ich teilweise Mütze und Handschuhe getragen, um nicht zu stark auszukühlen.
Zudem hingen die Wolken während der Tage, die ich auf dem Glenn Highway verbrachte, mehr oder weniger tief. So war ich unheimlich froh, in der an die Sheep Mountain Lodge angegliederten Jugendherberge einen trockenen und warmen Schlafplatz zu finden. Die warme Dusche und ein "Chili con carne" gaben mir wieder Kraft, Mut und Zuversicht für den nächsten Tag.
De letzte Hoffnung auf Wetterbesserung schwand, nachdem ich den letzten großen Pass bis nach Glennallen, den Eureka Summit, passiert hatte. So rollte ich mit einem gewissen Gleichmut weiter und spielte das Spiel, das man nie gewinnen kann - an nichts zu denken. Sobald man aktiv am Spiel teilnimmt, ist es verloren.
Am Abend in Glennallen angekommen lichtete sich die Wolkendecke ein wenig und gab den Blick auf Teile der mächtigen Wrangell Mountains frei. Nach fast einer fünf Tagen Regen, Wolken und Wind war dies ein kleiner Hoffnungsschimmer auf eine Wetterbesserung.
Doch meine freudige Erwartung war verflogen, als ich beim Aufwachen einmal mehr den Regen auf mein Zelt prasseln hörte. Frustriert und ohne jede Lust weiterzufahren, fragte ich an der Kreuzung von Glenn und Richardson Highway nach einer Mitfahrgelegenheit. Nach einigen Stunden des Wartens, nahmen mich einige junge Leute, die zum Angeln nach Valdez wollten, mit.
Beinahe während der gesamten Fahrt von rund 200 km regnete es.
Am Abend zogen geheimnisvolle Nebel in die Bucht von Valdez, und zwischen den Nebelfetzen ließen sich ab und zu die die Bucht einrahmenden Berge erahnen.
Auf einer völlig durchnässten Wiese suchte ich mir auf einer kleinen Erhebung einen Standplatz für mein Zelt und legte mich schlafen.
Sonne - ich konnte es kaum glauben, als ich noch im Schlafsack liegend etwas Warmes und Helles auf meinem Gesicht spürte. Dieses gelbe runde Ding am Himmel, das ich bald eine Woche nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte, strahlte über einer unglaublichen Szenerie: Tiefblaues Meer plätscherte sanft an die Ufer der kleinen Stadt Valdez, die eingerahmt von schneebedeckten Gipfeln und Gletschern am Ende eines Fjordes liegt
W E I T E R
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